Gordon Atkin ist ein beliebter und geachteter Arzt. Doch zu Hause wird er zum Monster, demütigt, misshandelt und isoliert seine Ehefrau Cora. Nach der Geburt des Sohnes schickt er Cora zum Amt, den Vornamen registrieren zu lassen. Für ihn ist klar, der Junge kann nur Gordon heißen, der Name hat seit Generationen Tradition in seiner Familie. Doch für Cora sind zwei weitere Namen möglich. Sie selbst würde Julian wählen, während der Wunsch der neunjährigen Tochter Bear ist.
Und so trennt sich der Roman in drei Erzählstränge auf. Über 35 Jahre, beginnend am Tag der Registrierung des Namens im Jahr 1987, erfahren die Leser:innen, wie sich die Wahl des Namens auf Bear, Julian, Gordon und seine Familie auswirkt. Je nach Name sind die Ereignisse, die auf die Familien zukommen, sehr unterschiedlich.
Ich liebe solche Gedankenspiele. Was wäre, wenn man wichtige Entscheidungen anders getroffen hätte, wie hätte sich das Leben dann entwickelt? Man kann sich vorstellen, dass manche Entscheidung zu einem ganz anderen Leben geführt hätte.
So eine Entscheidung wirkt sich zudem oft nicht nur auf einen selbst aus, sondern auch auf das Umfeld, die Familie, aber vielleicht auch auf andere Personen. Auch hier gibt es Menschen, die das Leben von Coras Sohn und seiner Familie in jedem oder fast jedem Strang kreuzen, mal ist es nur ein kurzes Treffen und dann geht man getrennte Wege, mal ist es eine engere Beziehung, die sich aufbaut. In allen drei Geschichten gibt es auch zeitliche Fixpunkte, wie zum Beispiel die Lockdowns während der Covid-19-Pandemie
Ich habe alle drei Erzählstränge sehr gespannt gelesen, und fand jeden auf seine Art interessant. Die Ausgangssituation, die häusliche Gewalt, ist bei allen drei gleich, und hat seinen Einfluss auf jeden Strang, aber auch hier gibt es unterschiedliche Entwicklungen. Manchmal ist es kaum auszuhalten, was man lesen muss, und, da das leider aus dem Klappentext auch nicht deutlich wird, und es keine Triggerwarnung gibt, möchte ich hier eine aussprechen. Mich persönlich haben die drei Lebensgeschichten emotional sehr berührt.
Die Ausarbeitung der einzelnen Charaktere, basierend auch auf den unterschiedlichen Entwicklungen, erscheint mir sehr gelungen. Man kann deutlich erkennen, wie sich die unterschiedlichen Erfahrungen ausgewirkt haben und wie sie verarbeitet wurden. Auch die unterschiedliche Beeinflussung der Menschen außerhalb der engeren Familie, ist interessant und passend.
Im Anhang erfährt man etwas über die Bedeutung vieler Namen, die man in diesem Buch vorfindet, auch die Anmerkungen der Autorin sollte man lesen, denn hier erfährt man, was die Autorin inspiriert hat, vor allem bezüglich der Kunsthandwerker, die in einem der Erzählstränge eine Rolle spielen.
Ich liebe Gedankenspiele, die Überlegungen anstellen, wie sich bei anderen Entscheidungen ein Leben anders entwickelt hätte, und so passte dieser Roman sehr gut zu mir. Ich habe ihn mit großer Spannung gelesen, wurde aber auch emotional berührt. Florence Knapps Romandebüt ist für mich ein Lesehighlight.