
Titel: Doppelt so schnell, dreimal so laut
"Doppelt so schnell, dreimal so laut"
Das Cover passt ziemlich gut zum Buch. Die Autorin sitzt relativ entspannt auf der Couch, während ihr Sohn auf eben dieser neben ihr springt.
Wer kennt das nicht? Manchmal wird einfach alles zu viel. Da kommt dieses Buch genau richtig. Ein ehrliches Buch von einem Menschen, der selbst in dieser Situation ist.
Hier geht es um Herausforderungen und Fragen, die auf einen zu kommen, wenn man ein besonderes Kind hat. Wie kann ich meinem Kind helfen? Wie kann ich für mich selbst sorgen? Medikamente ja oder nein?
Bereits das Vorwort hat mich tief berührt.
Der Erfahrungsbericht von Annika Lau wechselt sich mit der medizinischen Sicht von Dr. Klaus Skrodzki ab.
Ich mag den Schreibstil sehr. Das Geschriebene ist unglaublich ehrlich. Annika Laus Part ist dabei sehr menschlich und emotional. Die medizinische Sicht ist sehr interessant, einfach erklärt und stellenweise sehr amüsant geschrieben.
Manchmal ist die Geschichte von Annika Lau und ihrem an ADHS erkrankten Sohn sehr schwer auszuhalten und sie hat mich sehr mitgenommen. Ich habe sehr großes Mitgefühl mit dem kleinen Baz und seiner Familie. Das Kind und seine Mutter haben einen wahren Ärzte Marathon hinter sich.
Es wird genau beschrieben, vor welchen Herausforderungen ein Kind mit ADHS steht, welche Gefühle und Unsicherheiten das bei der Mutter auslöst und wie die Gesellschaft darauf reagiert.
Ich habe mich in unzähligen Situation wiedererkannt und ernst genommen gefühlt. Das Geschriebene ist stets wertschätzend und nie verurteilend.
Schön fand ich, wie auch die vielen positiven Seiten, z.B. Ideenreichtum, Kreativität und Spontanität, von Kindern mit ADHS hervorgehoben werden. Dies hilft auch den positiven Blick auf das eigene Kind wieder mehr in den Fokus zu bringen.
Und ich habe mir noch einmal ins Gedächtnis gerufen, wie wichtig es ist, nicht über andere zu urteilen. Man weiß nie, was wirklich los ist. Nichts sagen oder so etwas wie: "Das kenne ich!" oder ein aufmunternder Blick sind Balsam für die Seele. Wir sollten einfach mehr füreinander da sein.
Durch das Buch bin ich auch wieder mit meinem Partner besser über das Thema ADHS ins Gespräch gekommen. Es ist sehr hilfreich, wenn beide Elternteile das Buch lesen.
Eine absolute Leseempfehlung für alle Betroffenen und Interessierten.
Mir hat die Lektüre sehr gut getan.