
Titel: Ein berührende Generationenroman
Zum Inhalt:
Die Geschichte entfaltet sich auf zwei geschickt miteinander verknüpften Zeitebenen.
In der Gegenwart begleiten die Leser*innen die 26-jährige Doktorandin Julika.
Tagsüber ist sie an der Frankfurter Universität, um fossile Urzeitwelten in Einschlüssen zu erforschen.
Abends steht ihr eigenes Leben komplett still: Nach dem Unfalltod ihrer jüngeren Schwester ist ihre Mutter psychisch schwer erkrankt; Julika ist in einer aufopfernden, erdrückenden Pflegerolle gefangen.
Ein sensationeller Fund, eine urzeitliche Wespe in einem unvollständigen Bernstein, führt sie schließlich auf Forschungsreise an die Ostsee, um die zweite Hälfte des Steins und dessen ursprüngliche Finderin zu suchen.
Die zweite Zeitebene bringt die Leser*innen in die Vergangenheit.
Es beginnt 1943. Im ostpreußischen Samland wächst Ebba als Tochter eines Bernsteinfischers auf. Als Kind findet sie einen großen und geheimnisvoll anmutenden Bernstein. Ebba steht ein Leben lang Konventionen und Pflichten gegenüber. Ihre Leidenschaft gehört der Kunst und einer großen, jahrzehnteüberdauernden Liebe.
In der Gegenwart treffen die beiden Frauen aufeinander.
„Die Bernsteinfischerin“ von Lisa Quentin ist ein tiefgründiges Familiendrama, das die Schicksale zweier ungleicher Frauen über Generationen hinweg miteinander verwebt.
Nach einer traumatischen Flucht sucht die Familie an der Ostseeküste in Niendorf einen Neuanfang.
Lisa Quentin hat authentische und facettenreiche Charaktere ins Leben gerufen.
Julika ist eine bemerkenswerte und pflichtbewusste junge Frau, die eigene Träume hintenanstellt. Ihre spürbare, oft unterdrückte Wut über die eigene Ohnmacht macht sie zu einem nahbaren Charakter.
Ebba ist ungestüm und sehr naturverbunden. Sie weigert sich, die traditionelle Frauenrolle ihrer Zeit klaglos zu akzeptieren, und blickt auf ein langes Leben voller rauer Kanten und schmerzhafter Kompromisse zurück.
Nur langsam nähern sich die zwei Frauen an und werden zusammen zum Herzstück der Geschichte.
Lisa Quentin hat einen flüssigen und gut verständlichen Schreibstil.
Sie erzählt die Geschichte auf eine teilweise melancholische Art, die mich sehr berührt hat.
Der Handlungsort wird anschaulich beschrieben. Man kann sich das Tosen der Ostsee gut vorstellen und hat den Salzgeruch in der Nase.
„Die Bernsteinfischerin“ ist ein Generationenroman, der die Gegenwart und die Vergangenheit kunstvoll miteinander verknüpft.