
Titel: fesselnder Kriminalroman mit psychologischer Tiefe zum Miträtseln
Der Kriminalroman „Wem du traust“ von Petra Johann ist für mich das erste Buch der Autorin.
Das düstere Haus mit einem einzeln beleuchteten Fenster, darüber der sich wölbende schwarze Himmel, stimmt auf den bedrückenden Inhalt des Kriminalromans ein. Mit der Aussage „Wem du traust“ wird man im Verlauf des Buches nicht nur einmal konfrontiert und ist deshalb ein sehr gelungener Titel. Durch die gelbe Schrift fällt dieser in Verbindung mit der ebenfalls gelben Coverumrandung vor dem dunklen Hintergrund sofort ins Auge.
Sofia ist eine nicht ganz so gewöhnliche Teenagerin. Mit ihrer alleinerziehenden Mutter Susanne lebt sie seit kurzem zusammen mit deren neuen Freund in einer tollen Wohnung. Eva, die beste Freundin Susannes, und enge Vertraute Sofias hingegen lebt mit ihrem Mann Daniel und dem gemeinsamen Sohn in einem Haus. Nach einem Babysitterjob bei Eva und Daniels Sohn kehrt Sofia nicht in die Wohnung zurück, obwohl Daniel sie eigentlich nach Hause gebracht hat. Als schließlich auch noch Sofias Pullover mit ihren Blutspuren auftaucht, drängt immer mehr die Frage in den Vordergrund: sagt Daniel die Wahrheit?
Von Beginn an war ich durch die wechselnden Perspektiven kombiniert mit einem ruhigen, aber spannenden Erzählstil im Buch gefangen. Hierzu trug auch die psychologische Tiefe bei. Sehr authentisch gelingen der Autorin die Zeichnung von Freundschaft und Vertrauen aber auch der verschiedenen familiären Konflikte. Dabei sind die Figuren sehr glaubwürdig und in ihrer Unterschiedlichkeit prägnant. Das Miträtseln machte mir auch dadurch große Freude, dass man als Leser zunehmend in die Gefühls- und Gedankenwelt der Protagonisten eintauchen konnte und der zunächst einfach aussehende Fall an erstaunlicher Komplexität gewann. Für anhaltende Spannung sorgte darüber hinaus die dichte Atmosphäre, die zudem eine gewisse Beklemmung auslöste. Im Mittelteil des Buches gab es leider einzelne Längen, was insgesamt allerdings nicht schwer ins Gewicht fiel. Das Ende war für mich überraschend und bespielte noch einmal die komplette Klaviatur der Gefühle.
Für mich ein fesselnder Kriminalroman mit psychologischer Tiefe, der zum Miträtseln und Nachdenken einlud und den ich sehr gerne gelesen habe. Deshalb empfehle ich ihn ebenso gerne weiter.